Jugendaustausch 2012 in Taio

vom 27.05. – 03.06.2012

Eine Reise in den Süden

Pfingstferienzeit ist Jugendaustauschzeit, so jedenfalls in Heroldsberg seit vielen Jahren. Zum 12. Mal stürzten sich Heroldsberger Jugendliche ins italienische Abenteuer: eine Woche Aufenthalt bei unseren italienischen Freunden in Taio. 11 Jugendliche zwischen 10 und 15 Jahren machten sich mit den Betreuern Evi Vogel, Susanne Kolberg und Fritz Müller auf den Weg in den sonnigen Süden. Während in Deutschland bei durchwachsenem Wetter die Menschen froren, erwartete uns strahlender Sonnenschein in Trento.

Bereits die Zugfahrt ist für die Jugendlichen ein erster Höhepunkt. Kaum im EC von München nach Trento wurden die Sitze zu einer einzigen Fläche zusammengeschoben und die nächsten 5 Stunden waren ein einziges Spielen und Toben. In Trento sprinteten wir gleich weiter zur Schmalspurbahn Richtung Taio. 50 Minuten später trafen wir wie immer etwas gespannt aber doch freudig erwartungsvoll in Taio ein. Die Gasteltern bereiteten uns einen herzlichen Empfang und den restlichen Montag verbrachten dann alle in ihren Gastfamilien. Am Abend Treffen in der Pizzeria Nardis in Coredo. Bei vielen Heroldsbergern schon eine bekannte Adresse mit exzellenter Küche und sehr guten Pizzen.

Am Montag trafen wir uns wie jeden Morgen vor der Mittelschule in Taio. Mit den zwei gemeindlichen Kleinbussen ging es nach Dambel, einem kleinen Ort im Nonstal. Dort, ausgerüstet mit Helmen und Schutzkleidung, begann dann eine ca. 2-stündige Wanderung durch den Canyon Rio Novella, eine tiefe, lange Schlucht, welche sich der Noce im Laufe von Millionen Jahren tief ins Gestein gegraben hat. Anstrengend und beeindruckend für die Jugendlichen und Erwachsenen. Der Nachmittag war wieder für die Familien vorgesehen. Der Renner war dieses Mal ein Bauernhof in Tres, wo (fast) jeder einmal auf den dort untergebrachten Pferden reiten durfte.

Am Dienstag der erste Schultag. Für einige interessant, für manche langweilig aber auf jeden Fall eine neue Erfahrung: italienischer Schulunterricht – auch nicht so ganz verschieden von unserem deutschen. Bis auf die Sprache halt. Nach der Schule dann wieder mit den Kleinbussen auf die Berghöhen östlich von Taio. Im Klettergarten des Refugio Sores konnten alle ihren Mut beweisen. Erschöpft von der Anstrengung aber glücklich den Parcour bewältigt zu haben ging es am Abend zurück nach Hause.

Mittwochmorgen fuhren wir mit der Schmalspurbahn nach Trento. Dort mit dem Bus weiter ins Nautic-Museum Caproni. Nach einer Führung durch italienische Fliegergeschichte versuchten sich alle an den Flugsimulatoren. Wie sich herausstellte, ein nicht ganz einfaches Unterfangen. Schnell noch einen kleinen Flieger oder auch Hubschrauber gekauft, für den Opa ein Fliegerabzeichen und schon ging es wieder zurück nach Taio. Dort warteten bereits die Kleinbusse und weitere Pkw’s für den Weitertransport zum Tovelsee. Dieser See, mit seiner ganz eigenen Geschichte, ist immer wieder ein Naturspektakel. Auf halbem Weg der Umrundung ist ein Picknick auf der Malga eingeplant. Sich in der freien Natur bewegen, direkt unter dem mächtigen Brenta-Dolomitenmassiv, ist schon beeindruckend. Der Tovelsee färbte sich übrigens bis Anfang der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts immer wieder mal tiefrot. Ursache war eine besondere Algenart, die diesen Effekt bei besonderen Wetterbedingungen auslöste. Seit 40 Jahren tritt dieser Effekt jedoch nicht mehr auf – vielleicht ist unser Umgang mit der Umwelt ja Schuld daran. Vermutungen dazu gibt es jedoch viele.

Donnerstagvormittag wieder Schule in Taio. Als Belohnung für die eher langweiligen Schulstunden dann am Nachmittag Bogenschießen in Dardine. Eine Gruppe Künstler hat sich darauf spezialisiert, für Gäste Bogenschießwettbewerbe in historischen Kostümen durchzuführen. So durfte auch jeder einmal (mit oder ohne Kettenhemd) unter fachgerechter Anleitung sein Können an Pfeil und Bogen beweisen. Auch für die Erwachsenen eine völlig neue Erfahrung.

Der Freitag begann mit einem Besuch des einzigen Handwerksbetriebs der Welt, welcher noch Peitschen herstellt. Aus Zürgelholz entstehen dort die Peitschen, welche heute noch für Pferdekutschen, von Jockeys, usw. benutzt werden. Danach ging es dann mit den Kleinbussen zum Castell Thun. Die Besichtigung im Castello gab es dann mit elektronischen Info-Guides. 19 Jahre wurden Schloss und Inventar restauriert und das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Selbst die Jugendlichen waren beeindruckt. Der Nachmittag war dann wieder den Familien vorbehalten. Jede gestaltete so ihr eigenes Programm. Am Abend eine besondere Überraschung: Einladung zum Pizzaessen in der alten Grundschule. Die in der Region schon bekannten „mobilen Pizzabäcker“ buken nur für uns ihre Pizzen. Jeder bekam Pizza satt in einer Qualität, wie sie bei uns so nicht zu finden ist. Ein schöner Abend und alle gingen „pappsatt“ nach Hause.

Am Samstag konnte man dann ein wenig länger schlafen. Um elf trafen wir uns auf einem Parkplatz oberhalb von Vervo. Von dort wanderten dann einige durch die Wälder hinauf zur Malga von Vervo. Die meisten jedoch wurden mit Allrad-Jeeps auf die Malga gebracht. Dort erwartete uns eine unberührte Naturlandschaft mit einer Sennhütte. Auf dieser Malga leben die Betreiber viele Monate im Jahr nur mit ihren Tieren. Da gab es Esel, Ziegen, Schafe, Kühe, Hunde, Katzen und Pferde. Wie es sich gehört aßen wir auf der Malga zu Mittag wie es seit jeher Brauch ist. Neben Fleisch und Würsten gab es eine Polenta aus Buchweizen und Mais sowie Krautsalat und Bohnensalat rustikal. Nachdem der eine oder die andere zuerst nur wenig probiert haben, stellte man schnell fest, wie gut das alles schmeckt und alle langten mit gesundem Appetit zu. Den weiteren Tag verbrachte man dann mit Spielen in freier Natur, mit Reiten oder einfach in der Sonne liegend. Ein wunderschöner Tag in einer herrlichen Umgebung.

Sonntagmorgen der Abschied in der alten Grundschule in Taio. Man tauschte Grußbotschaften aus und nahm noch einen kleinen Imbiss. Alles liebevoll vorbereitet von unseren Gastgebern. Mit den Kleinbussen der Gemeinde ging es dann nach Trento zum Bahnhof. Noch eine Verabschiedung und wir erwarteten den Zug auf dem Bahnsteig in Trento. Und wir warteten, warteten … eine kurze Lautsprecherdurchsage – unser Zug wird nicht kommen. Nach Rückfrage am Schalter die Auskunft, es käme ein Bus, welcher uns nach Innsbruck brächte. Noch mal ein dreiviertel Stunde gewartet, nichts passierte. Kurz entschlossen haben wir uns gesagt, nehmen wir den nächsten Zug. Dauerte ja nur noch eine halbe Stunde bis er kam. Mit großer Mühe stopfte man uns noch in diesen Zug hinein. Glücklicherweise fanden wir dann im letzten Waggon noch ausreichend Sitzplätze für uns. Glücklich und froh kamen wir dann mit zwei Stunden Verspätung in Nürnberg an. So ging eine abenteuerliche Rückreise noch gut zu Ende.

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